ORF-„matinee“ am 27. Juli: „Klassik unterm Hakenkreuz – Der Maestro und die Cellistin von Auschwitz“, Porträt Max Reinhardt

Wien (OTS) – Die „matinee“ am Sonntag, dem 27. Juli 2025, um 9.05 Uhr
in ORF 2 und
auf ORF ON, geht zunächst mit der Dokumentation „Klassik unterm
Hakenkreuz – Der Maestro und die Cellistin von Auschwitz“ der
Bedeutung der klassischen Musik im sogenannten „Dritten Reich“ nach.
Im Zentrum stehen mit der deutschen Jüdin Anita Lasker-Wallfisch eine
der letzten lebenden Zeitzeuginnen der NS-Zeit, die kürzlich ihren
100. Geburtstag feierte und nur dank ihrer musikalischen Begabung
Auschwitz überlebte, sowie der international renommierte deutsche
Stardirigent Wilhelm Furtwängler, der sich mit dem Hitler-Regime
arrangierte. Danach erinnert das Filmporträt „Max Reinhardt – Ein
Leben als Inszenierung“ (10.00 Uhr) an den österreichischen
Theatermagier und Mitbegründer der Salzburger Festspiele, die am Tag
davor offiziell eröffnet werden (26. Juli, live ab 11.00 Uhr in ORF 2
und 3sat sowie auf ORF ON; Vorbericht ab 10.40 Uhr). Nach einer
Ausgabe der Kurzreihe „Ikonen Österreichs“ über „Das Ausseer Dirndl“
(10.35 Uhr) beschließt „Die Kulturwoche“ (10.45 Uhr) mit aktuellen
Berichten und Tipps den von Peter Schneeberger präsentierten ORF-
Kulturvormittag.

„Klassik unterm Hakenkreuz – Der Maestro und die Cellistin von
Auschwitz“ (9.05 Uhr)

Warum war klassische Musik für Hitler und Goebbels so wichtig?
Neben Beethoven, Bach oder Bruckner hatte Wagner als Hitlers
Lieblingskomponist einen besonders hohen Stellenwert. Deutsche Musik
sollte die Vormachtstellung des „Dritten Reiches“ in der Welt
legitimieren und von den Untaten der Nationalsozialisten ablenken.
Adolf Hitler war sich der Macht der Musik bewusst und
Propagandaminister Joseph Goebbels kontrollierte das Musikleben im NS
-Staat, in dem jüdische Künstler:innen keinen Platz mehr hatten. So
wurden die Berliner Philharmoniker zum staatlichen „Reichsorchester“.
Die Hauptpersonen des Films sind zwei Menschen, die auf sehr
unterschiedliche Weise für die Musikkultur im Nationalsozialismus
stehen: Stardirigent Wilhelm Furtwängler und die Cellistin des
Frauenorchesters in Auschwitz-Birkenau, Anita Lasker-Wallfisch. Hier
ein Dirigent, der weltweit gefeiert wurde sowie mit Hitler und seinen
Helfern ein Bündnis einging. Dort eine junge Frau, die als deutsche
Jüdin nach Auschwitz verschleppt wurde und nur dank ihrer
musikalischen Begabung überlebte. Beide waren von der Nazi-Diktatur
betroffen: Furtwängler entschied sich in Deutschland zu bleiben und
paktierte mit den Nationalsozialisten. Lasker-Wallfisch dagegen
versuchte, im brutalen Alltag des Vernichtungslagers zu überleben,
wobei das Cello ihre Lebensversicherung war. Beide verband die Liebe
zur klassischen Musik, die sowohl in der Berliner Philharmonie, beim
Reichsparteitag in Nürnberg oder auch in Auschwitz-Birkenau zu hören
war.
Warum gingen begnadete Künstler wie Furtwängler einen Pakt mit dem
Bösen ein? Warum wurde in Todeslagern Musik gespielt? Und wie
veränderte sich für die Opfer ihr Blick auf die Musik?
In der Dokumentation von Christian Berger kommen u. a. die Dirigenten
Daniel Barenboim und Christian Thielemann, die Kinder von Wilhelm
Furtwängler sowie die zu diesem Zeitpunkt 98-jährige Cellistin Anita
Lasker-Wallfisch zu Wort. Es sind besonders ihre Erinnerungen, die
unter die Haut gehen. Historisches Filmmaterial, das für den Film
restauriert und koloriert wurde, macht Geschichte greifbar und legt
Zeugnis ab über eine dramatische Zeit.

„Max Reinhardt – Ein Leben als Inszenierung“ (10.00 Uhr)

Max Reinhardt, der unvergessene österreichische Theatermagier,
hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein wahres Theaterimperium
geschaffen. Er wird als der erste moderne Regisseur bezeichnet und
gilt bis heute als Inbegriff eines Impresarios. Von Berlin und Wien
über Salzburg bis in die Vereinigten Staaten hat sein Wirken
unauslöschliche Spuren im Kulturleben hinterlassen.
1920 gelang Reinhardt, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, mit
der Aufführung von Hofmannsthals „Jedermann“ am Salzburger Domplatz
ein Geniestreich: Unter Mitwirkung der Besten seiner Ensembles und
vor der imposanten Kulisse des Doms schuf er mit dem eindrücklichen
„Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ das Salzburger Traditionsstück
und begründete damit zugleich die Salzburger Festspiele. Reinhardt,
der am Salzburger Stadttheater seine Karriere als Schauspieler
begonnen und 1918 Schloss Leopoldskron erworben hatte, war nicht nur
ein visionärer Regisseur, sondern auch ein raffinierter Stratege, der
den Festspielen internationale Strahlkraft verlieh und in Salzburg
geschickt auch Übernahmen seiner Berliner und anderer Produktionen
programmierte. Doch die Herrschaft der Nationalsozialisten warf
bereits früh ihre Schatten voraus. Im Herbst 1937 brach Reinhardt
nach Hollywood auf. Im März 1938 wurde Österreich unter großem Jubel
der hiesigen Bevölkerung Nazideutschland angeschlossen. Reinhardt
sollte nicht wieder aus dem amerikanischen Exil zurückkehren. Im
Oktober 1943 verstarb er verarmt und seiner künstlerischen Heimat
beraubt in einem New Yorker Hotel.
Das 2023 von Werner Horvath zum 150. Geburtstag bzw. 80. Todestag
Reinhardts gestaltete Filmporträt blickt auf das Leben und Schaffen
des visionären Künstlers zurück.

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