Wien (OTS) – „Gründe für Stuhlverlust können u.a. Nervenerkrankungen,
Schließmuskelverletzungen oder auch Entzündungen im Enddarmbereich
sein. Frauen und Männer sind gleichermaßen davon betroffen“ , erklärt
Priv.-Doz. Dr. Stefan Riss, FRCS, Vorstand der Abteilung für
Chirurgie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien und ergänzt:
„Betroffene schämen sich für den Stuhlverlust und gehen teils erst
spät oder gar nicht zum Arzt. Dabei gibt es unterschiedliche
Therapiemöglichkeiten, die helfen können. Neu bei uns im
Behandlungsspektrum ist der Darmschrittmacher, bei der schwerer
Stuhlinkontinenz zum Einsatz kommt.“
Zwtl.: Kleines Gerät mit großer Wirkung
Der Darmschrittmacher stimuliert mit elektrischen Impulsen die
Nerven im Bereich des Kreuzbeins. Diese Nerven steuern die Funktion
von Beckenboden, Darm und Blase. Durch kontinuierliche Signale wird
die Kommunikation zwischen den Nerven und dem Gehirn verbessert,
wodurch es zu einer Stärkung der Beckenbodenmuskulatur sowie zu einer
besseren Kontrolle der Ausscheidungen kommt.
Zum Einsatz kommt der Darmschrittmacher, wenn alle anderen
Therapieoptionen ausgereizt sind. Das Gerät ist in etwa so groß wie
eine 2-Euro-Münze und es wird in eine der beiden Gesäß-Backen,
unterhalb des Fettgewebes, in zwei Schritten implantiert.
Unter Vollnarkose wird in einer ersten Operation eine dünne
Elektrode nahe dem Nerv im unteren Rückenbereich eingesetzt. Diese
Elektrode wird in einer rund zweiwöchigen Testphase durch einen
externen Schrittmacher gesteuert. Zeigt sich während der Testphase
eine deutliche Verbesserung der Symptomatik für die/den Patient:in,
wird in einem zweiten Schritt ergänzend der Schrittmacher, in
Lokalanästhesie, ebenfalls in die Gesäß-Backe implantiert. Sobald der
Darmschrittmacher implantiert ist, kommen Patient:innen nur mehr zur
Kontrolle bzw. zum Batterietausch.
„Ich implantiere den Darmschrittmacher erfolgreich seit mehr als
zehn Jahren und freue mich, dass wir diese Therapiemöglichkeit
erstmals nun auch hier im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien
anbieten. Als Mediziner ist es mir ein Anliegen, diese Methode zum
Wohl der Patientinnen und Patienten bekannter zu machen,“ so Prim.
Priv.-Doz. Dr. Riss, FRCS abschließend.


