Wien (OTS) – Die Teilzeit-Debatte hält an – genauso hartnäckig wie
manche
Vorurteile gegenüber Menschen, die in Teilzeit arbeiten. Die
Volkshilfe fordert im Zuge der Debatte mehr Aufwertungen und
rückwirkende Anrechnung von Pflege- und Kinderzeiten für ältere
Arbeitnehmer*innen, um gegen drohende Altersarmut anzukämpfen.
Viele teilzeitbeschäftigte Frauen in höherem Alter müssen bereits
jetzt mit den Folgen der konservativen Familienpolitik der letzten
Jahrzehnte leben: ein geringeres Einkommen, wenig Aufstiegschancen
und damit auch später eine geringere Pension. Mütter, die heute Ende
50 oder Anfang 60 sind, hatten mit wenigen Ausnahmen eine prekäre
Kinderbetreuungslandschaft zur Verfügung. Im Betreuungsjahr 1984/85
gab es in ganz Österreich nur 239 Krippen und
Kleinkindbetreuungseinrichtungen (385 Gruppen) – heute sind es 2737
Einrichtungen mit 4662 Gruppen.
„Diese Frauen brauchen keine Vorwürfe, sie brauchen mehr
Gerechtigkeit. Sie haben sich nicht falsch entschieden, sie hatten
keine echte Wahl in einem System fehlender Betreuungsangebote. Je
länger diese Mütter aufgrund von Betreuungspflichten aus dem
Erwerbsleben ausgeschieden sind, desto schwieriger war ihr
Wiedereinstieg und desto schlechter waren ihre Aufstiegschancen.“,
betont Hanna Lichtenberger, Leiterin des Bereichs Forschung und
Sozialpolitik bei der Volkshilfe.
„Die Gründe, warum Frauen ab 50 nicht einfach aufstocken können
sind vielfältig. Auf viele wartet mit der Betreuung älterer
Angehöriger bereits die nächste unbezahlte Sorgearbeit. Aus der
Statistik wissen wir, dass Frauen im Alter öfter von Armut betroffen
sind. Zwei Drittel der Armutsbetroffenen über 65-Jährigen sind
weiblich. Die durchschnittliche Pensionshöhe von Frauen (1409 Euro)
liegt zudem unter der Armutsgefährdungsschwelle für einen
Einpersonenhaushalt.“, so Lichtenberger weiter.
Die Volkshilfe fordert daher statt falscher Debatten eine
sofortige Aufwertung bestehender Frauenpensionen, eine partner*
innenunabhängige Ausgleichszulage sowie die stärkere rückwirkende
Anrechnung von Pflege- und Kinderzeiten in der Vergangenheit.