40 Jahre Tschernobyl: ORF-Themenschwerpunkt zum Jahrestag der Reaktorkatastrophe

Wien (OTS) – Vor 40 Jahren, am 26. April 1986, ereignete sich die bis
heute größte
Nuklearkatastrophe der Geschichte: Der Super-GAU im Atomkraftwerk
Tschernobyl. Zum Jahrestag des folgenschweren Unfalls, bei dem nach
einem simulierten Stromausfall die Notabschaltung des Reaktorblocks 4
des Atomkraftwerks „Lenin“ in der Ukraine fehlschlug, die Anlage
explodierte und der Wind radioaktive Partikel über ganz Europa
verbreitete, zeigen ORF 1, ORF 2 und ORF III Beiträge und
Dokumentationen zum Hergang und zu den Hintergründen der Katastrophe,
zu den Auswirkungen auf Österreich und zu den bis heute andauernden
Folgen in der Todeszone – u. a. im Rahmen von „Thema“, „Universum“
und „Universum History“, „True Stories“ sowie „WELTjournal“ und
„WELTjournal +“. Auch „Studio 2“, „Guten Morgen Österreich“, ORF III,
Ö1, das ORF.at-Netzwerk, ORF ON und ORF TELETEXT widmen sich dem
Thema.

„Studio 2 (Montag, 20. April, 17.30 Uhr, ORF 2)

„40 Jahre Tschernobyl“ ist Thema im Gespräch mit Historiker Fritz
Dittlbacher, der auch über die Ereignisse in Österreich ab dem 26.
April 1986 berichtet.

„Thema – Nachgefragt Tschernobyl“ (Montag, 20. April, 21.10 Uhr,
ORF 2)

„Thema“ zeigt eine gekürzte Fassung von Christoph Feursteins
Reportage „Der Tag, an dem die Welt den Atem anhielt – Tschernobyl“,
die 20 Jahre nach dem Reaktorunfall entstand und im April 2006 in
„Thema“ zu sehen war. Feurstein erhielt dafür den „CNN Journalist
Award 2007“.

„Guten Morgen Österreich“ (21. und 24. April, 6.30 Uhr, ORF 2)

In „Guten Morgen Österreich“ (6.30 Uhr, ORF 2) sind anlässlich
„40 Jahre Tschernobyl“ ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz (21.
April) und Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb (24. April) zu Gast im
Studio.

„Universum: Radioaktive Wölfe – Tschernobyls verbotene Wildnis (
Dienstag, 21. April, 20.15 Uhr, ORF 2)

Wie reagiert die Natur auf einen Super-GAU? Die vielfach
preisgekrönte „Universum“ Produktion „Radioaktive Wölfe“ von Klaus
Feichtenberger beantwortet diese Frage in Tschernobyl auf
beeindruckende Weise. Denn die Tierwelt hat sich in der evakuierten
und stark verstrahlten Zone rund um den zerstörten Reaktor schon
wenige Jahre nach der Katastrophe angepasst. Ein menschenleeres
Freiluftlabor für die Wissenschaft, die überraschende Erkenntnisse
über die Widerstandskraft der Ökosysteme gewinnen konnte – bis hin zu
der These, die Wölfe von Tschernobyl könnten krebsresistente Gene
entwickelt haben. Der Ukraine-Krieg hat die hoffnungsvollen Anfänge
brutal unterbrochen. Im militärischen Sperrgebiet ist die Forschung
zum Erliegen gekommen. Ein Wissensverlust, der, angesichts der
Kriegsgräuel, kaum Beachtung findet. Es ist eine sprechende Metapher:
Die Natur findet einen Weg zum Besseren – aber der Mensch kann ihn
nicht sehen. Zum 40. Jahrestag des AKW-Unfalls zeigt der ORF eine von
Wolfgang Stickler aktualisierte Fassung der „Universum“-Dokumentation
„Radioaktive Wölfe – Tschernobyls verbotene Wildnis“ und damit eine
wenig bekannte Folge des Krieges auf.

„WELTjournal: Tschernobyl – AKW im Kriegsgebiet“ (Mittwoch, 22.
April, 22.30 Uhr, ORF 2)

Die Reaktorruine von Tschernobyl bleibt auch 40 Jahre nach der
Katastrophe Europas nukleare Wunde. Vor allem, seit die Ukraine von
Russland angegriffen wird. Das „WELTjournal“ zeigt, wie eine
russische Drohne im Februar 2025 in 87 Metern Höhe auf der
Stahlbetonhülle des stillgelegten Reaktors explodiert und ein Feuer
auslöst. Für die Löscharbeiten musste die Feuerwehr die Hülle
mehrfach durchbohren. Seitdem ist der Reaktor nicht mehr perfekt
abgedichtet. Die riesige Stahlbogenkonstruktion verschloss seit 2019
gefährliche, wenn auch weitgehend stabile Reste des Reaktors.
Tausende Arbeiter, Ingenieure, Techniker und Sicherheitsspezialisten
sind für die Sicherung der Ruine zuständig und überwachen sie in
Schichten – Tag und Nacht. Schon 2022, unmittelbar nach Kriegsbeginn,
besetzte die russische Armee das Areal für mehrere Wochen. Zum ersten
Mal in der Geschichte wurde damit eine zivile Atomanlage zu
Militärgebiet. Tschernobyl bleibt ein Mahnmal, dessen Schutz weit
über die Grenzen der Ukraine hinaus von globaler Bedeutung ist.
Regie: Lucas Menget

„WELTjournal +: Überleben – Die Babuschkas von Tschernobyl“ (
Mittwoch, 22. April, 23.05 Uhr, ORF 2)

Ungeachtet aller Verbote und Warnungen der Regierung lebt eine
Gruppe älterer Frauen in der hochradioaktiven Todeszone um den
Katastrophenreaktor von Tschernobyl. Männer und Kinder sind an der
Verstrahlung gestorben, die Babuschkas erfreuen sich trotz aller
Umstände guter Gesundheit und geben der Wissenschaft Rätsel auf.
Hanna, Valentina und Maria, die jüngste 72, die älteste 85, sind nach
den Zwangsevakuierungen vor 40 Jahren wieder in ihre Häuser bei
Tschernobyl zurückgekehrt und führen ein beschauliches Leben in einer
idyllischen, aber radioaktiv vergifteten Gegend. Die einzigen
Menschen, die sie ab und zu in der Sperrzone sehen, sind Soldaten,
Wissenschafter oder Jugendliche, die sich als Mutprobe vor dem
verstrahlten Reaktorblock fotografieren.

„True Stories: Tschernobyl – Chronik einer Katastrophe“ (
Dreiteiler, Donnerstag, 23. April, ab 20.15 Uhr, ORF 1):

Vor 40 Jahren, am 26. April 1986, kommt es in Tschernobyl zur
Katastrophe. Die Simulation eines Stromausfalls führt im Reaktorblock
4 des Kernkraftwerks zum Super-GAU. Bei der Kernschmelze und der
darauffolgenden Explosion kommen Unmengen schädlicher radioaktiver
Stoffe frei. Regisseur Stuart Strickson rekonstruiert im ersten Teil
seiner dreiteiligen Dokumentation mit dem Titel „Stunde 0“ (20.15 Uhr
), wie der Reaktor gebaut und wie der Test vorbereitet wurde. Teil 2
„Die Katastrophe nimmt ihren Lauf“ (21.05 Uhr) dokumentiert die
Geschehnisse nach der Explosion des Reaktors: Während Feuerwehrleute
verzweifelt versuchen, den Brand unter Kontrolle zu bringen, werden
Unmengen radioaktiver Stoffe freigesetzt. Das Isotop Caesium-137 ist
mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren besonders gefährlich. Beim
Fallout wird die Region nordöstlich des Kraftwerks nachhaltig
verstrahlt und ist bis heute nicht mehr bewohnbar. Der dritte und
letzte Teil „Die Folgen“ (21.55 Uhr) beschäftigt sich mit den
Auswirkungen: Um die Strahlbelastung am explodierten Reaktorblock 4
einzudämmen, wird ein Schutzmantel aus Stahlbeton errichtet. Die
Bauarbeiter riskieren dabei ihr Leben. Die angegebenen Opferzahlen
divergieren stark, ungefähr 50 Todesfälle werden direkt mit dem
Unglück in Verbindung gebracht.

„Universum History: Super-GAU – Die Katastrophe von Tschernobyl“
(Freitag, 24. April, 22.35 Uhr, ORF 2)

Am 26. April 1986 erschüttert eine Explosion das Kernkraftwerk
Tschernobyl: Der Unfall in Reaktor 4 des ukrainischen AKW hat
weitreichende Folgen, die bis heute nachwirken. Die einschneidende
Erfahrung mit den Risiken und Gefahren der Atomkraft prägt ganze
Generationen. Die „Universum History“-Dokumentation von Fanny Germain
rekonstruiert die Ereignisse und zeichnet ein umfassendes Bild der
Katastrophe sowie der anschließenden Entwicklungen. Mit
internationalen Expertinnen und Experten, eindrucksvollem
Archivmaterial sowie persönlichen Zeitzeugenberichten gelingt eine
vielschichtige Einordnung der historischen Ereignisse. Der Film
verbindet die bildgewaltige Rekonstruktion mit aktuellen
wissenschaftlichen Perspektiven und zeigt, dass die Folgen von
Tschernobyl bis in die Gegenwart reichen. Tschernobyl bleibt mit
seinen bis heute nur provisorisch gesicherten Überresten eine Zäsur
in der Geschichte Europas und der Kernenergie.

„Schicksalstage Österreichs – Die Tschernobyl-Katastrophe“ (
Samstag, 25. April, 20.15 Uhr, ORF III)

Die „zeit.geschichte“-Neuproduktion von Judith Doppler beleuchtet
die Auswirkungen des Reaktorunfalls auf Österreich, die anfänglich
widersprüchliche Informationslage und die Verunsicherung der
Bevölkerung. Schließlich übertönte zunächst der mediale Trubel um
Arnold Schwarzeneggers Traumhochzeit und Kurt Waldheims
Präsidentschaftswahlkampf die schlechte Nachricht. Erst einige Tage
nach dem Unglück sickerten die Neuigkeiten über die atomare Wolke
durch, doch die Berichte waren ungenau, widersprüchlich und
lückenhaft. Als die UdSSR schließlich westliche Länder um Hilfe
bittet, wird deutlich, dass das Ausmaß der Katastrophe viel größer
ist als gedacht. Endlich wird eine Reihe von Maßnahmen für die
österreichische Bevölkerung implementiert. Doch Ungewissheit und
Chaos prägen die folgenden Wochen. Welche Konsequenzen hatte der
Super-GAU tatsächlich für Österreich? Die Dokumentation lässt
Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Wissenschafter:innen zu Wort
kommen, die einen aktuellen Blick auf die damalige Datenlage werfen.
Fragen über die Energieversorgung Österreichs ziehen eine thematische
Linie bis in die Gegenwart. Wie kann die Versorgung bei wachsendem
Energiebedarf sicher und nachhaltig gestaltet werden?

„Tschernobyl – Die Katastrophe“ (Vierteiler, Samstag, 25. April,
ab 21.05 Uhr, ORF III)

Die vierteilige Dokureihe „Tschernobyl – Die Katastrophe“ begibt
sich auf Spurensuche nach der Wahrheit. Wie konnte es im April 1986
zur Explosion im nordukrainischen Atomkraftwerk kommen? Und was
verschweigt Moskau bis heute über den Unfall? Zeitzeuginnen und
Zeitzeugen geben Einblicke in den Aufstieg und Niedergang von
Tschernobyl – ein Ort, an dem der Glaube an die Atomkraft zur
folgenschweren Tragödie wurde. Der Film zeichnet ein umfassendes Bild
des Unglücks und erzählt anhand der Erinnerungen der Menschen, was
Akten und Daten allein nicht vermitteln können. So widmet sich Teil
eins – „Paradies“ (21.05 Uhr) – der Reißbrett-Stadt-Prypjat, die
eigens für die „Atomschtschiki“ erbaut worden war – jene Atom-
Technikerinnen und -Techniker samt Familien, die im und um das
Atomkraftwerk gearbeitet und gelebt haben. Folge zwei mit dem Titel
„Unfall“ (21.55 Uhr) schildert die dramatischen Ereignisse der
Unglücksnacht; im darauffolgenden dritten Film geht es um „Lügen“ (
22.45 Uhr) – die anschließende Vertuschung durch die sowjetischen
Behörden. Der finale, vierte Teil der Reihe – „Vermächtnis“ (23.35
Uhr) – beleuchtet die langfristigen Folgen der Katastrophe von
Tschernobyl.

40 Jahre Tschernobyl in Ö1

In „Betrifft: Geschichte“ sprechen Susanne Rehn-Taube, Kuratorin
der Abteilung Chemie, und Frank Dittmann, Kurator der Abteilung
Energietechnik, Starkstromtechnik und Automation im Deutschen Museum
München, über „Die Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie“ –
von Montag, dem 20., bis Freitag, den 24. April, jeweils um 15.55 Uhr
in Ö1.

Am Samstag, dem 2. Mai, stehen im „Ö1 Hörspiel“ (14.00 Uhr)
„Gespräche mit Lebenden und Toten“ von Swetlana Alexijewitsch in der
Bearbeitung von Frank Werner auf dem Programm. In der SR/NDR/WDR/SFB-
ORB-Produktion aus dem Jahr 1998 wirken Ilse Strambowski, Peter
Gavajda, Viola Morlinghaus und Konstantin Graudus mit, Regie: Ulrich
Gerhardt. Die Explosion des Reaktors im ukrainischen Kernkraftwerk am
26. April 1986 veränderte nicht nur eine Landschaft, sondern das
Leben Hunderttausender Menschen. Über zehn Jahre hinweg hat
Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch mit mehr als 500
Menschen gesprochen, deren Biografien durch den Reaktorunfall
unwiderruflich geprägt wurden: mit Feuerwehrleuten, mit Bewohnerinnen
und Bewohnern der evakuierten Stadt Prypjat, mit Bauern, Soldaten,
Wissenschaftern, Ärzten und Hinterbliebenen. Aus ihren Erinnerungen,
Klagen und Bekenntnissen formte sie eine vielstimmige Chronik – einen
„Chor lebendiger Stimmen“, der nicht die Geschichte der Katastrophe
aus der Perspektive der Technik erzählt, sondern aus der Perspektive
der Menschen. Das Ergebnis dieser vielen Gespräche, das Buch
„Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ erschien 1997. Der deutsche
Schriftsteller und Dramaturg Frank Werner hat einen Teil des Werkes
unter dem Titel „Gespräche mit Lebenden und Toten“ zu einem Hörspiel
verdichtet – eine eindringliche akustische Komposition, die ohne
Pathos, allein durch die Kraft der persönlichen Erinnerungen,
entstand.

40 Jahre Tschernobyl im ORF.at-Netzwerk, auf ORF ON und im ORF
TELETEXT

Auch das ORF.at-Netzwerk und der ORF TELETEXT erinnern an die
Katastrophe und widmen sich ihren bis heute reichenden Folgen. Auf
ORF ON werden die TV-Sendungen des Programmschwerpunkts im Rahmen
einer eigenen Videokollektion live und on demand bereitgestellt.

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