30 Jahre 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien – Bilanz eines einzigartigen Hilfsangebots der Stadt Wien

Wien (OTS) – Mit einem Nachtdienst von Dienstag, dem 31. Dezember
1995 auf
Mittwoch, den 1. Jänner 1996 hat der 24-Stunden Frauennotruf seinen
Betrieb aufgenommen. Seit 30 Jahren steht das Beraterinnenteam
täglich, rund um die Uhr, für Frauen und Mädchen bereit – durch
11.000 Tage und Nächte, 29 Weihnachten, 30 Silvester und rund 1.500
Wochenenden hindurch. „Dieses Jubiläum ist ein Symbol für den
unbeugsamen Willen einer Stadt, immer für ihre Mädchen und Frauen da
zu sein, wenn Hilfe benötigt wird. Es ist ein Aufruf dazu, nicht
aufzugeben, auch wenn man sich allein fühlt, Und es ist ein Mahnmal
den Kampf gegen Gewalt an Frauen entschlossen und mit aller
Konsequenz weiterzuführen. Dabei geht es um Aufklärung und
Enttabuisierung. Eine jüngst veröffentlichte Studie zeigt, dass die
Opfer von Femiziden. die Hilfsangebote der Stadt nicht in Anspruch
genommen haben. Deswegen der klare Appell im Fall der Fälle anzurufen
und Kontakt aufzunehmen, damit mit der vorhandenen Unterstützung, ein
Weg aus einer oftmals existentiellen Krise gefunden werden kann.

„Das Jubiläum ist Anlass für eine Bilanz der besonderen
Leistungen des 24-Stunden Frauennotrufs und der Anerkennung der
Stärke all jener Frauen, die den Mut hatten, sich Unterstützung und
Hilfe zu suchen“, sagte Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin
Kathrin Gaál.

Der 24-Stunden Frauennotruf – unter der Telefonnummer 01/71719
und per E-Mail erreichbar – ist Anlaufstelle für Frauen und Mädchen
ab 14 Jahren, die von sexualisierter, körperlicher oder psychischer
Gewalt betroffen sind oder waren – unabhängig davon, wie lange die
Gewalterfahrung zurückliegt und kostenlos, vertraulich und auf Wunsch
anonym. Angeboten werden nicht nur Soforthilfe und
Krisenintervention, sondern auch psychosoziale, rechtliche und
sozialarbeiterische Beratung sowie Begleitungen zu Polizei, Gericht
oder ins Krankenhaus sowie psychosoziale und juristische
Prozessbegleitung

Beeindruckende Zahlen – 30 Jahre Unterstützung und Beratung

In vergangenen drei Jahrzehnten leistete der Frauennotruf
außergewöhnliche Arbeit:

192.000 Beratungskontakte – dazu zählen ein- und ausgehende
Telefonate, E-Mails, persönliche Beratungstermine und Begleitungen.

Bei einer durchschnittlichen Dauer von 8 Minuten pro Telefonat
haben die Beraterinnen insgesamt 1.146.400 Minuten oder über zwei
Jahren und 66 Tagen ununterbrochen telefoniert.

In persönlichen Beratungen und Begleitungen haben sie betroffenen
Frauen und Mädchen 1.339.400 Minuten – also rund zweieinhalb Jahre –
intensiv unterstützt.

Die Gesamtdauer der E-Mail-Beratung belief sich auf rund vier
Monate.

Insgesamt hat das Beratungsteam mit allen Beratungsformaten fünf
Jahre durchgehend beraten.

Daneben wurden von den Mitarbeiterinnen des 24-Stunden
Frauennotrufs in den vergangenen Jahren rund 530 Fachvorträge
gehalten und 910 Netzwerktreffen besucht.

Im Laufe der Zeit haben 34 Beraterinnen und zusätzlich ein Pool
an Sozialarbeiterinnen der MA 11 – tagsüber an Wochenenden – diese
Aufgaben getragen; heute sind 10 Beraterinnen im Team.

„Gewaltschutz geht uns alle an, denn es muss unser gemeinsames
und unbedingtes Ziel sein, dass Gewalt an Frauen in unserer Stadt
keinen Platz hat. Dazu gehört, dass betroffene Frauen wissen, wo sie
jederzeit auf Unterstützung zählen können“, erklärt
Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál mit Blick auf
die Arbeit des Frauennotrufs und seine Erreichbarkeit – auch an
Feiertagen und Wochenenden.

Der besondere Dank des Teams des 24-Stunden Frauennotrufs gilt
zum 30-jährigen Bestehen allen Frauen und Mädchen, die den Mut
hatten, sich für Unterstützung und Hilfe an den 24-Stunden
Frauennotruf zu wenden. „Wir danken unseren Anrufer*innen und
Klientinnen für das Vertrauen, dass sie uns entgegenbringen. Jede
Kontaktaufnahme ist Ausdruck von Stärke und Selbstbestimmung. Durch
Beratung ist die Aktivierung eigener Ressourcen und damit Veränderung
und eine bessere Zukunft möglich“, betont Heidemarie Kargl, Leiterin
des 24-Stunden Frauennotrufs. Unterstützung und Solidarität für
Frauen und Mädchen bei Gewaltbetroffenheit seien eine Verpflichtung
nicht nur von Beratungsstellen, sondern eine gesamtgesellschaftliche
Aufgabe.

Meilensteine in der Geschichte des 24-Stunden Frauennotrufs

Nach einer Phase des Aufbaus und der Etablierung im Wiener
Gewaltschutznetz ab seiner Gründung 1996 war der 24-Stunden
Frauennotruf in den Nuller Jahren maßgeblich am Entstehen der Anti-
Stalking Gesetzgebung beteiligt. Höhepunkt dessen war 2006 die
Konferenz „Du entkommst mir DOCH…“ bei der nach jahrelangem
Lobbying für gesetzliche Maßnahmen gegen Psychoterror, die ersten
Erfahrungen mit dem noch neuen Anti-Stalking Gesetz mit Expert*innen
diskutiert werden konnten.

2011 ist der 24-Stunden Frauennotruf in neue barrierefreie
Räumlichkeiten mit großzügigen Beratungsräumlichkeiten und modernen
Sicherheitsvorkehrungen übersiedelt, die den Klientinnen und den
Mitarbeiterinnen größtmögliche Sicherheit und bessere
Rahmenbedingungen bei den persönlichen Beratungsgesprächen bieten.

Ebenfalls 2011 wurde mit der zweitägigen Konferenz „…selber
schuld?! Sexualisierte Gewalt – Begriffsdefinition, Grenzziehung und
professionelle Handlungsansätze“ ein wichtiger Beitrag zur
Enttabuisierung von sexualisierter Gewalt geleistet.

Die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen dem
Gesundheitsbereich und Gewaltschutzeinrichtungen wurde 2018 mit der
gemeinsamen Konferenz „Sichtbar werden – 10 Jahre Opferschutzgruppen-
Gesetz in den Wiener Krankenhäusern: zwischen Auftrag und
Klinikalltag“ unterstrichen. Die Konferenz wurde vom Wiener Programm
für Frauengesundheit und dem 24-Stunden Frauennotruf organisiert.

Eine Antwort auf neue Gewaltformen in unserer zunehmend
digitalisierten Welt stellte 2021 die Schaffung der „Kompetenzstelle
Cybergewalt“ dar. Bei diesem Angebot handelt es sich nicht um eine
vor Ort verfügbare Beratungsstelle, sondern um eine enge
Beratungskooperation zwischen dem 24-Stunden-Frauennotruf, dem Verein
Wiener Frauenhäuser und den IT-Expert*innen von Wien CERT.

Ausblick

Auch in Zukunft ist es das Ziel des 24-Stunden Frauennotrufs,
seine Angebote weiter zu stärken, die Öffentlichkeit zu
sensibilisieren und gemeinsam mit Frauen- und
Mädchenberatungsstellen, Gewaltschutzeinrichtungen und Einrichtungen
der Burschen- und Männerarbeit sowie Organisationen der
opferschutzorientierten Täterarbeit ein Netzwerk zu schaffen, das
schützt, stärkt und unterstützt.

Ab 7.1.2026 ist im Kubus von VALIE EXPORT eine Ausstellung mit
Plakaten des 24-Stunden Frauennotrufs der vergangenen 30 Jahre zu
sehen und zu den 16 Tagen gegen Gewalt wird im Herbst 2026 eine
Fachtagung zu Gewaltschutz und -prävention stattfinden. Dabei sollen
auch inhaltliche Schwerpunkte zur Stärkung der sexuellen
Selbstbestimmung — wie etwa die aktuelle Kampagne zu „Nur Ja heißt
Ja“ — weiter vorangetrieben werden.

Der 24-Stunden Frauennotruf ist rund um die Uhr erreichbar unter
01/71719 sowie per E-Mail an [email protected]. Weitere
Informationen finden Sie unter www.frauennotruf.wien.gv.at und auf
www.wien.gv.at/gewaltschutz

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