Wien (OTS) – Gleich zwei Wiener Projekte aus der Welt der Planung
haben beim
gestrigen VCÖ-Mobilitätspreis Österreich besonders gut abschneiden
können: Ausgezeichnet wurden die Verlängerung der Straßenbahnlinie 18
sowie das Forschungsprojekt „Trans|formator:in“. Letzteres legte
seinen Forschungsschwerpunkt auf neue Methoden zur Umgestaltung von
Straßen und Plätzen, um u.a. den steigenden Anforderungen einer
lebenswerten Stadt in Zeiten des Klimawandels gerecht zu werden.
Gemeinsam mit 23 Partner*innen aus Wissenschaft und Praxis wurden die
Ansätze in sieben österreichischen Pilotgemeinden – Wien, Graz,
Salzburg, St. Pölten, Langenlois, Deutschkreutz und St. Gallenkirch –
entwickelt und erprobt. Die Stadt Wien war mit dem Supergrätzl
Favoriten beteiligt.
„Als Stadträtin für Stadtentwicklung und Mobilität freue ich
mich, dass so viele Projekte aus der Stadtentwicklung ausgezeichnet
wurden. Gemeinsam mit dem Preis für die Fahrradstraße Meislstraße –
an dem die Stadtentwicklung ebenfalls beteiligt war – haben damit
Projekte gewonnen, die auf unterschiedliche Weise die
klimafreundliche Weiterentwicklung Wiens unterstützen. Denn das ist
es, was wir in Wien leisten: Ausgezeichnete Planung, die sich den
großen Fragen unserer Zeit widmet und deren Umsetzung dafür sorgt,
dass Wien weiterhin zu den lebenswerten Städten der Welt gehört“,
zeigt sich Stadträtin Ulli Sima erfreut. „Mir ist besonders wichtig,
dass diese Planung auch bei den Menschen vor Ort ankommt und sie die
Verbesserungen spüren – sowohl mit der Linie 18 als auch mit dem
Umbau des öffentlichen Raums am Beispiel des Supergrätzl Favoriten
oder der Low Traffic Grätzl kommen wir dem nach. Die Menschen haben
mit der Linie 18 eine neue TOP-Öffi-Verbindung zwischen 2. und 3.
Bezirk mit begleitenden Radwegen und Begrünung erhalten. Und sie
profitieren – im Herzen Favoritens und vielen anderen Teilen Wiens –
von umfassenden Begrünungs-, Kühlungs- und
Verkehrsberuhigungsmaßnahmen!“
Auch Abteilungsleiter Clemens Horak freut sich über die
Auszeichnungen auf Bundesebene: „So unterschiedlich die zwei
prämierten Projekte auch sind, gemeinsam ist ihnen ihr Beitrag zur
Bewältigung der Klimakrise. Mit der Verlängerung der Linie 18, für
die meine Abteilung und die Wiener Linien ausgezeichnet wurden,
garantieren wir der wachsenden Wiener Bevölkerung ein ebenso
wachsendes Öffi-Netz und stärken damit den Umweltverbund. Mit dem
Forschungsprojekt der Transformator:in hatten wir die Gelegenheit,
uns mit anderen Städten auszutauschen, voneinander zu lernen und das
Konzept des Wiener Supergrätzls gezielt weiterzuentwickeln.“
Die Linie 18: Mehr als ein Straßenbahnprojekt
Seit September 2026 fährt die Linie 18 bis in die Leopoldstadt.
Während die beliebte Bimlinie zuvor bei der U3-Station
Schlachthausgasse endete, wurde sie nun durch den grünen Prater bis
zur U2-Station Stadion verlängert. Die insgesamt 3,1 km lange
Neubaustrecke mit sieben neuen Haltestellen verbindet die Bezirke
Landstraße und Leopoldstadt. Von dieser Erweiterung des stetig
wachsenden Öffi-Netzes der Stadt profitieren 6 Millionen Fahrgäste
pro Jahr. Die verlängerte Linie 18 sorgt auch für eine Entlastung
anderer Strecken und bietet den Wiener*innen ein noch flexibleres
Mobilitätsangebot, um von A nach B zu kommen. Seit der Verlängerung
bietet die Linie 18 Umsteigemöglichkeiten auf fünf U-Bahn-Linien,
acht S-Bahn-Linien und zu Zügen des Nah- und Fernverkehrs. Während
der Sperre der S-Bahn-Stammstrecke ergeben sich durch die nun
verlängerte Linie 18 zusätzliche Ausweichmöglichkeiten, u.a. durch
eine bessere Anbindung des Wiener Ostens an die S7 in St. Marx.
Die Stadt Wien bleibt so ihrem Versprechen eines attraktiven
Nahverkehrs treu – und geht noch einen Schritt weiter: Der Ausbau der
Linie 18 wurde nämlich zugleich genutzt, um weitere Maßnahmen für
klimafreundliche Mobilität zu schaffen. So wurden im Zuge der
Verlängerung 2.150 Meter neue Radwege und 70 Meter Grüngleis angelegt
sowie 200 neue Bäume gepflanzt. „Dass dieses Projekt nun auch in der
Kategorie ‚Öffentlicher Verkehr und multimodale Mobilität‘ für Wien
und auch österreichweit ausgezeichnet wurde, erfüllt mich mit Stolz“,
so Sima mit Blick auf die umfassenden Maßnahmen und Umgestaltungen im
Zuge der Verlängerung.
„Mit diesem Projekt wird Transformation für viele Städte und
Gemeinden nachahmbar. Ein Projekt mit großer potenzieller
Multiplikatorwirkung“, gratuliert VCÖ-Geschäftsführerin Ulla
Rasmussen und ergänzt zur Verlängerung der Straßenbahnlinie 18:
„Straßenbahnen sind sehr effiziente Verkehrsmittel. Sie benötigen
wenig Platz und transportieren viele Menschen. Öffi-Fahrgäste leisten
einen sehr großen Beitrag zur Vermeidung von Staus und anderen
Verkehrsproblemen.“
Schnell und flexibel die Weichen für die Stadt der Zukunft
stellen – mit Tactical Urbanism
Ebenfalls ausgezeichnet wurde das Forschungsprojekt „Trans|
formator:in“ in der Kategorie „Forschung und wissenschaftliche
Studien“. Hier war die Stadt Wien mit dem Supergrätzl Favoriten
beteiligt, das im Mai 2026 eröffnet wurde. Das Forschungsprojekt
begann bereits 2022 mit einer Laufzeit bis ins heurige Jahr, eine
perfekte Zeit also, um das erste Wiener Supergrätzl in Favoriten
fachlich zu begleiten und Learnings für die Zukunft mitzunehmen.
Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde ein Modell für die
klimafitte Umgestaltung bestehender Stadtquartiere entwickelt, das
aktive Mobilität, Klimaanpassung und die Aufwertung des öffentlichen
Raums verbindet. Schauplatz für dieses Modell war das Supergrätzl
Favoriten, das für Wien und auch österreichweit eine Premiere
darstellt: Hier wurden erstmals sogenannte Tactical Urbanism-
Maßnahmen flächenwirksam in mehreren Straßen gleichzeitig umgesetzt
und auf Herz und Nieren geprüft. Dabei wurden auch Erkenntnisse
gewonnen, welchen Beitrag ressourcenschonende und flexibel
einsetzbare Maßnahmen zur Aufwertung des öffentlichen Raums und zur
Verbesserung der Aufenthaltsqualität leisten können. Diese Learnings
bilden die Grundlage für eine Weiterentwicklung hin zu einer
schnelleren und kostengünstigeren Umsetzung in der kommunalen Praxis.
Zugleich wurden die Voraussetzungen geschaffen, das Supergrätzl-
Konzept auf andere Städte und Gemeinden zu übertragen.
„Forschungsprojekte wie die Trans|formator:in sind für uns als
strategische Abteilung auch deshalb so wichtig, weil wir hier die
Gelegenheit haben, bestehende Konzepte und Ideen mit anderen zu
diskutieren – und weiterzuentwickeln“, sagt Abteilungsleiter Clemens
Horak. „Als konkretes Ergebnis gehen daraus nun die Low Traffic
Grätzl hervor, die wir in mehreren Bezirken in der Stadt umsetzen
werden.“
Low Traffic Grätzl sind neue, günstige Modelle für mehr
Verkehrsberuhigung in Wohnvierteln. Ähnlich wie im Supergrätzl sorgt
eine Neuorganisation der Verkehrsführung für weniger Lärm, bessere
Luft und mehr Sicherheit – Platz zum Spazieren und zum Erholen wird
in der Planung ebenfalls gleich mitgedacht. Auch kühlende Pflanzen
sind fester Teil der Ausstattung eines Low Traffic Grätzls. Im
Gegensatz zum Supergrätzl wird hier jedoch mit schnell und einfach
umzusetzenden Maßnahmen gearbeitet: Bodenbemalungen, mobile Bäume in
Trögen und Sitzbänke attraktiveren die Wohngebiete. Dieser
Planungsansatz nennt sich ‚Tactical Urbanism‘ – und hilft,
Veränderungen im öffentlichen Raum rasch und kostengünstig
umzusetzen.
Neue sichere Rad-Achse in den Westen Wiens – Fahrradstraße
Meiselstraße
In der Fahrradstraße Meiselstraße hat seit Herbst 2025 der
Radverkehr Vorrang. Gemeinsam mit dem Zweirichtungsradweg auf der
Hütteldorfer Straße gibt es nun eine radfahrfreundliche Ost-West-
Verbindung durch Rudolfsheim-Fünfhaus und Penzing. Zusätzlich wurden
Klimawandelanpassungsmaßnahmen umgesetzt: 60 Bäume wurden gepflanzt,
900 Quadratmeter begrünt und weitere 3.100 Quadratmeter entsiegelt.
Der Schulvorplatz der Schule Lortzinggasse wurde autofrei und damit
die Verkehrssicherheit für die Kinder erhöht. „Seit vielen Jahren
sind wir dabei, Wien nachhaltig klimafit zu machen und setzen dabei
vor allem auf den Ausbau von Radwegen und Öffis. Mehr als 100 km neue
Radwege haben wir in den Letzen 6 Jahren bereits gebaut – die
klimafitte Fahrradstraße durch den 15. und 14. Bezirk ist dabei eines
der Highlights unserer großen Radwegoffensive!“, freut sich Sima.
Österreichs größter Wettbewerb für nachhaltige Mobilität
Der VCÖ-Mobilitätspreis ist Österreichs größter Wettbewerb für
nachhaltige Mobilität und wird in Kooperation mit dem
Mobilitätsministerium und den ÖBB vergeben. Der Preis holt
innovative, zukunftsfähige und klimafreundliche Projekte vor den
Vorhang, die den Verkehr ökologischer, sicherer und sozial gerechter
machen. Die Durchführung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem
Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, den
ÖBB sowie den jeweiligen Bundesländern.
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