Zlan (OTS) – In einem feierlichen Gottesdienst wurde die neue
Superintendentin der
Evangelischen Kirche in Kärnten-Osttirol, Andrea Mattioli, am
Samstag, 31. Jänner, durch Bischöfin Cornelia Richter in ihr Amt
eingeführt. Andrea Mattioli folgt auf den langjährigen
Superintendenten Manfred Sauer, der in Pension trat. In der
evangelischen Superintendenz Kärnten und Osttirol ist Andrea Mattioli
die erste Frau in diesem Leitungsamt.
In ihrer Predigt betonte Mattioli den Wert christlicher
Gemeinschaft, die sich nicht mehr automatisch, „weil das immer so
war“, ergebe, sondern vielmehr aus bewusster Entscheidung: „Ich
gehöre dazu, weil ich erkannt habe, dass es mir guttut, dass ich mich
für die Gemeinschaft, den Weg mit Gott entschieden habe. Ich gehöre
dazu, weil ich mich da wohl fühle, angenommen weiß, und es mir etwas
gibt. Ich gehöre dazu, weil mir die Menschen wichtig geworden sind,
die ich dort treffe, weil ich Kraft aus dem Glauben schöpfen kann und
Gottes Wort mir Stabilität und Wegweisung gibt in einer
unübersichtlichen Welt“, sagte die neue Superintendentin in ihrer
Predigt.
Diese Gemeinschaft halte „die Hoffnung aufrecht, den Glauben
lebendig, die Liebe wach“. Das brauche es dringend in einer Zeit, „in
der sich die Welt wieder aufzuspalten droht und in Ost und West
unberechenbare Machthaber sitzen“. Es sei eine Zeit, „in der wir
einstehen müssen für unsere Werte, unser Zutrauen und unsere Hoffnung
auf Frieden und Gerechtigkeit“. „Es ist an uns als das sogenannte
Bodenpersonal Gottes, da rede ich von uns allen, die Sehnsucht nach
der Tischgemeinschaft Gottes wachzuhalten.“ Dafür brauche es auch
eine Ausstrahlung, „dass man da gerne dazugehören will, weil eine
Kraft ausgeht, eine Freude, eine Liebe“. Die Superintendentin verwies
dabei auf die verschiedenen Tätigkeitsbereiche von Kirche, „da, wo
wir Menschen begegnen: in der Schule im Religionsunterricht, in den
Gottesdiensten, in den Diensten in der Diakonie, in der Seelsorge, in
der Musik und ganz wichtig in unseren alltäglichen Begegnungen“. All
das sei Kirche, „all das verkündigt Gottes Wort, all das schafft
Leben“, unterstrich Mattioli.
Bischöfin Richter: Eine Sprache, die verbindet
Kärnten sei nicht nur ein Land, in dem der Glaube „offen und
selbstbewusst gelebt“ werde, sondern in dem sich auch Menschen in
kultureller Vielfalt begegnen. Damit Menschen sich über ihren
Glauben, Gott und die Welt austauschen können, müssen sie eine
gemeinsame Sprache finden, erklärte Bischöfin Cornelia Richter bei
der Amtseinführung. „Und zwar eine, die ihre unterschiedliche
Herkunft ebenso verbindet wie ihre unterschiedlichen Berufe,
politischen Parteiungen und persönlichen Interessen. Es muss eine
Sprache sein, die in den schweren und dunklen Lebenserfahrungen
ebenso trägt wie in den leichten und hellen Zeiten. Eine Sprache, die
dem Verlust und der Trauer ebenso Ausdruck verleihen kann wie der
Dankbarkeit und dem Aufbruch in ein neues Leben.“ Andrea Mattioli,
die als Deutsch-Italienerin in Württemberg aufgewachsen ist und sich
2019 mit ihrem Mann und ihren drei Kindern für Kärnten als
Lebensmittelpunkt entschieden hatte, bringe gemeinsam mit ihrer
Familie dies alles mit, zeigte sich Richter überzeugt und sagte zur
neuen Superintendentin: „Danke, dass Ihr bei uns seid. Danke, dass
Ihr mit uns und unserer Kirche in die Zukunft gehen wollt. Ich bin
gewiss, dass Du mit Deiner Glaubenssprache, mit Deiner theologischen
Expertise und mit Deiner den Menschen zugewandten Freundlichkeit
diese Superintendentur gut leiten wirst.“
Dass eine evangelische Bischöfin eine Superintendentin in Kärnten
in ihr Amt einführe, sei ein „historisches Ereignis“, sagte
Superintendentialkuratorin Margarethe Prinz-Büchl, die mit
Superintendentin Mattioli an der Spitze der Kärntner Diözese steht.
Sie konnte zu dem Festgottesdienst viele Mitfeiernde aus den
Pfarrgemeinden begrüßen. Gekommen waren u.a. auch die
Superintendenten und Superintendentialkurator:innen der anderen
Diözesen, der reformierte Landessuperintendent, Mitglieder des
gesamtösterreichischen Oberkirchenrats ebenso wie der
Militärsuperintendent sowie Vertreter aus anderen Kirchen, der
Politik und dem öffentlichen Leben.
LH Kaiser: Gemeinsam für Humanität, Toleranz und Miteinander
Landeshauptmann Peter Kaiser gratulierte der neuen
Superintendentin und würdigte die „einzigartige“ Kooperation zwischen
Kirchen und Politik in Kärnten. Angesichts der schwierigen
geopolitischen Lage sei es umso wichtiger, dass „im Kleinen“ jene
Kräfte zusammenarbeiten, die Humanität, Toleranz und das Miteinander
ins Zentrum stellen. Gemeinsam gelte es, der Entsolidarisierung
entgegenzuwirken und darauf zu achten, „dass niemand zurückbleibt“.
„Dass nach über einem Jahrzehnt die Evangelische Kirche in
Österreich wieder eine Superintendentin hat, ist ein wichtiges
Signal“, sagte Ministerialrat Martin Fischer vom Kultusamt im
Bundeskanzleramt. Andrea Mattioli trete ihr Amt an in Zeiten, in
denen „Gewissheiten zerplatzen wie Seifenblasen und bisher
felsenfeste Selbstverständlichkeiten zerbröseln wie Sandburgen“. Auf
diesem Hintergrund stelle sich die Frage, was Gesellschaften
zusammenhält, „auf eindringliche Weise“. Die Evangelische Kirche
leiste einen wichtigen Beitrag für diesen Zusammenhalt, was sich etwa
an der gesamtgesellschaftlich wirkenden diakonischen Arbeit ebenso
zeige wie an dem „in Kärnten wohl etablierten“ ökumenischen und
interreligiösen Dialog. Dadurch werde die Rolle der Religionen als
„Kitt der Gesellschaft“ gestärkt. „Daran hat der Staat großes
Interesse und ist darum dankbar für dieses wichtige und verlässliche
Engagement“, bekräftigte Fischer in seinem Grußwort.
Bischof Marketz: Ökumene in gegenseitigem Respekt und Vertrauen
Der gemeinsame Weg der Kirchen werde als wichtiges Zeichen für
Frieden und Dialogbereitschaft „hoch geschätzt“, betonte der römisch-
katholische Diözesanbischof Josef Marketz. Die ökumenische
Zusammenarbeit in Kärnten sei geprägt von gegenseitigem Respekt und
Vertrauen im „gemeinsamen Zeugnis für Christus“, „dafür sind wir
dankbar“, so der Diözesanbischof.
Glückwünsche der Islamischen Glaubensgemeinschaft Kärnten
überbrachte Imam Hasudin Atsanovic: „Heute sind wir hier, um die
gemeinsamen Werte zu feiern und nicht die Unterschiede zu betonen“,
denn „die Menschlichkeit spricht eine universale Sprache“.
Ausdrücklich würdigte Atsonovic den funktionierenden interreligiösen
Dialog, denn „im Zuhören öffnen wir Räume, in denen Vertrauen wachsen
kann und Missverständnisse sich auflösen“, so der Imam.
Glück- und Segenswünsche für die neue Superintendentin kamen auch
von der Rektorin der Diakonie de La Tour, Astrid Körner. Dass eine
Superintendentin in Kärnten in ihr Amt eingeführt werde, sei ein
„bahnbrechendes Ereignis“ und zugleich eine Selbstverständlichkeit,
weil in der Evangelischen Kirche Männer und Frauen jede Position
gleichberechtigt bekleiden können. Gemeinsam gelte es, als Kirche und
Diakonie weiterhin im Klima sozialer Kälte und Ausgrenzung „ein
starkes Wort für Würde“ zu sprechen, Nächstenliebe zu leben und dabei
klar Partei zu ergreifen „für die, die es am schwersten haben“.
Zur Person
Andrea Mattioli wurde in Neckarsulm, Kreis Heilbronn (D),
geboren. Als Pfarrerin ordiniert wurde sie 2002 in Ludwigsburg
nördlich von Stuttgart, wo sie als Gemeindepfarrerin tätig war. Nach
Jahren als Urlaubsseelsorgerin in Kärnten zog sie 2019 mit ihrem Mann
und den drei Kindern in Österreichs südlichstes Bundesland. Bis zu
ihrem Amtsantritt als Superintendentin am 1.12.2025 war Mattioli
amtsführende Pfarrerin des Pfarrgemeindeverbands Zlan-Ferndorf.
Als Superintendentin folgt Andrea Mattioli auf den langjährigen
Superintendenten Manfred Sauer, der in Pension getreten ist. Andrea
Mattioli ist die erste Superintendentin in Kärnten, in der Geschichte
der Evangelischen Kirchen in Österreich ist sie nach Gertraud Knoll (
Burgenland) und Luise Müller (Salzburg-Tirol) die dritte Frau in
diesem Leitungsamt. In der evangelischen Superintendenz Kärnten-
Osttirol leben rund 41.000 Mitglieder in 33 Pfarrgemeinden.


