Wien (OTS) – Sozialhilfe reicht nicht zum Leben.
Wie neueste Zahlen des Sozialministeriums zeigen, schützt Sozialhilfe
in Österreich nicht vor Armut. Über 200.000 Menschen mussten im Jahr
2024 auf das letzte soziale Netz, die Sozialhilfe zurückgreifen – ein
Anstieg von 4,5 Prozent. Besonders betroffen sind Kinder: Denn sie
machen den Großteil der Bezieher*innen aus.
„Diese Zahlen sind ein Weckruf. Sozialhilfe soll Menschen in
Notsituationen auffangen und ihnen auf die Beine helfen. Stattdessen
lässt sie zu viele durch das Netz fallen“, sagt Nora Tödtling-
Musenbichler. „Armut ist Realität in Österreich. Wer auf Sozialhilfe
angewiesen ist, kann sich das Nötigste oft nicht leisten: kein Geld
für Schulmaterialien, keine warme Wohnung, keine kostenpflichtige
Freizeitaktivitäten. Das ist kein Randproblem, sondern betrifft
zehntausende Kinder in Österreich.“
Armut ist Alltag – besonders für Kinder
Kinder stellen die größte Gruppe unter den Bezieher*innen von
Sozialhilfe dar: 37 Prozent von ihnen sind unter 18 Jahre alt. Die
neuen Daten zeigen, wie prekär ihr Alltag ist. In Haushalten mit
Kindern können 70 Prozent keine unerwarteten Ausgaben bestreiten, 23
Prozent können sich keine kostenpflichtigen Freizeitaktivitäten
leisten und 46 Prozent können Rechnungen nicht pünktlich begleichen.
Auch die Bereiche Gesundheit und Wohnen sind betroffen: 28 Prozent
der Sozialhilfe-Empfänger*innen leben in feuchten oder beschädigten
Wohnungen und 51 Prozent schätzen ihren Gesundheitszustand als
schlecht oder sehr schlecht ein. 20 Prozent leben trotz Sozialhilfe
in absoluter Armut.
Sozialhilfe braucht Reform. Sie braucht Herz und Verstand.
„Die Sozialhilfe ist das letzte Netz, das halten muss, wenn alles
andere versagt. Und sie darf niemanden unter das Existenzminimum
fallen lassen “, sagt Tödtling-Musenbichler. „Doch die Realität
zeigt: Das System sichert schlecht ab. Wer heute auf Sozialhilfe
angewiesen ist, kann sich das Leben oft nicht leisten.“
Die Caritas fordert daher eine echte Reform statt punktueller
Anpassungen. Benötigt wird eine Neuausrichtung, die die Grundidee der
Sozialhilfe wiederherstellt. Menschen in Not auffangen, nicht
verwalten. „Wir brauchen eine Sozialhilfe, die hält, was sie
verspricht – ein verlässliches, bundesweit einheitliches Netz, das
Menschen in einer Notlage auffängt “, sagt Tödtling-Musenbichler.
Die Caritas warnt vor einem Auseinanderdriften der Systeme.
Einige Bundesländer arbeiten an eigenen Modellen. „So entsteht ein
Fleckerlteppich, der Gerechtigkeit durch Zufall ersetzt“, kritisiert
Tödtling-Musenbichler. „Es braucht eine bundesweite Regelung, die
überall gleiche Chancen sichert.“
Kinder absichern statt vergessen
Die Caritas warnt vor einer Reform, die zu Verschlechterungen führen
würde. „Das Versprechen einer Kindergrundsicherung darf nicht
gebrochen werden “, sagt Tödtling-Musenbichler. Die geplante
Anrechnung der Familienbeihilfe auf die Sozialhilfe würde einer
Kürzung um bis zu 200 Euro pro Kind und Monat gleichkommen und wäre
„ein direkter Angriff auf das Existenzminimum von Kindern“. „Kinder
und Familien sind keine Budgetposten, sie sind eine Investition. Wer
Kinderarmut bekämpft, sichert Zukunft“, so Tödtling-Musenbichler.
Unsere Forderungen:
–
Reform mit Ziel: Eine bundesweit einheitliche Sozialhilfe, die
Armut bekämpft, statt sie zu verwalten.
–
Kindergrundsicherung jetzt! Jedes Kind soll abgesichert sein –
unabhängig vom Einkommen der Eltern.
–
Keine Anrechnung der Familienbeihilfe: Kürzungen bei Kindern sind
inakzeptabel.
–
Bundesweite Mindeststandards: Schluss mit dem Fleckerlteppich.
Sozialhilfe darf nicht von der Postleitzahl abhängen.
–
Aktive Arbeitsmarktpolitik: In den Arbeitsmarkt bringen durch
Ausbildung, Integration und faire Chancen statt Kürzungen.
Caritas fordert: Sozialhilfe muss armutsfest werden.
„Wir brauchen eine echte Reform statt Schnellschüsse. Eine
Sozialhilfe, die Armut bekämpft, statt sie zu verwalten“, sagt
Tödtling-Musenbichler. „Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass
Armut in Österreich zum Alltag gehört. Armut ist kein Schicksal,
sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen. Und sie kann beendet
werden.“


