Wien (OTS) – Die aktuelle Debatte rund um Teilzeitarbeit greift zu
kurz und geht
an der Lebensrealität hunderttausender Menschen vorbei. Wer Teilzeit
als „Luxus“ oder mangelnden Leistungswillen darstellt, ignoriert die
Fakten: Drei von vier Frauen in Teilzeit geben an, dass sie keine
Vollzeitstelle ausüben können – etwa wegen Kinderbetreuung, Pflege
von Angehörigen, fehlender Vollzeitangebote, familiärer
Verpflichtungen oder weil sie es gesundheitlich nicht mehr schaffen.
(Quelle: Teilzeitarbeit – das musst du wissen | ÖGB )
„Teilzeit ist kein Wunschkonzert, sondern oft eine Notwendigkeit
– gerade für Frauen. Wer das ignoriert, betreibt billige
Stimmungsmache auf dem Rücken jener, die unser Land am Laufen
halten“, stellt ÖGB Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth klar.
Viele Branchen bieten keine Vollzeitstellen an
Besonders betroffen sind Branchen wie der Handel, die Pflege oder
das Gesundheitswesen, wo viele Betriebe schlicht keine
Vollzeitstellen anbieten – selbst wenn Beschäftigte mehr arbeiten
möchten. Schuberth: „Wer Teilzeit kritisiert, sollte sich zuerst
fragen, warum so viele Arbeitgeber keine Vollzeitjobs ermöglichen.
Die Rechnung für fehlende Betreuungsplätze, zu starre Arbeitszeiten
und überlastete Systeme wird den Beschäftigten präsentiert – und vor
allem den Frauen.“ Teilzeit bedeutet weniger Einkommen, weniger
Pension, Kaufkraftverlust, weniger soziale Absicherung.
Bessere Rahmenbedingungen statt Schuldzuweisungen
„Wir wissen, dass viele gerne mehr arbeiten würden, wenn die
Rahmenbedingungen es zuließen: Kinderbetreuung, Pflegeangebote,
flexible Arbeitszeitmodelle und mehr gute Jobs mit planbaren
Arbeitszeiten“, so die Gewerkschafterin.
Eine klare Absage erteilt der ÖGB Vorschlägen, Teilzeitarbeit
durch finanzielle Strafmaßnahmen wie höhere Abgaben zu sanktionieren.
„Nicht die Beschäftigten brauchen Druck, sondern die Politik und die
Unternehmen müssen endlich die Voraussetzungen schaffen, damit mehr
Stunden auch möglich sind“, betont Schuberth.
Jetzt braucht es Lösungen – keine Strafen
„Wir brauchen keine Schuldzuweisungen, sondern Lösungen: Mehr
Betreuungseinrichtungen, mehr gute Jobs mit fairer Arbeitszeit und
mehr Respekt für jene, die Tag für Tag doppelt und dreifach leisten –
bezahlt und unbezahlt“, so Schuberth abschließend.