Klimastatusbericht 2025: Klimawandel wirkt sich immer stärker auf Grundwasser aus

Wien (OTS) – Der Klimawandel beeinflusst in Österreich zunehmend die
Verfügbarkeit
und die Qualität des Grundwassers. Besonders stark wirkt sich der
geringere Niederschlag in Form von Schnee aus, wobei der gefallene
Schnee auch weniger lange liegen bleibt. Insgesamt führen somit
steigende Temperaturen und dadurch höhere Verdunstungsraten,
veränderte Niederschlagsmuster und häufigere Extremwetterereignisse
dazu, dass weniger Wasser in tiefe Bodenzonen versickert und weniger
Grundwasser neu gebildet wird.

Starkregen fließt oft rasch oberflächlich ab und geringe
Niederschläge werden in der Vegetationsperiode von Pflanzen in
Anspruch genommen oder verdunsten. Zusätzlich geht durch das
Abschmelzen der Gletscher langfristig eine weitere Wasserreserve
verloren. Diese Entwicklungen verringern die Neubildung von
Grundwasser und verschärfen die Situation vor allem in sensiblen
Regionen.

In vielen Regionen wird daher künftig weniger Grundwasser zur
Verfügung stehen. Prognosen zufolge könnten die verfügbaren
Ressourcen bis 2050 um bis zu 23 % zurückgehen. Gleichzeitig wird der
Wasserbedarf voraussichtlich um bis zu 15 % ansteigen, was die
Trinkwasserversorgung, Ökosysteme, die Industrie und die
Energieproduktion betrifft. In der Landwirtschaft kann sich der
Wasserbedarf bis 2050 beinahe verdoppeln.

Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Klimastatusbericht, der
jährlich im Auftrag des Klima- und Energiefonds und der Bundesländer
erstellt wird. Eine Studie von WIFO und AGES verdeutlicht zudem die
erheblichen wirtschaftlichen Risiken zunehmender Dürreperioden. Der
Klimastatusbericht macht nicht nur die Veränderungen sichtbar,
sondern zeigt außerdem, welche Maßnahmen bereits erfolgreich
umgesetzt werden, um die Wasserverfügbarkeit langfristig zu sichern.

Umweltminister Norbert Totschnig: „Die Auswirkungen des Klimawandels
sind in allen Lebensbereichen deutlich spürbar. Längere
Trockenperioden und steigende Temperaturen erhöhen den Wasserbedarf
und setzen gleichzeitig unsere Wasserressourcen zunehmend unter
Druck. Um gegenzusteuern, investieren wir laufend in die
Wasserinfrastruktur – allein im vergangenen Jahr wurden 330 Kilometer
Trinkwasserleitungen neu errichtet und 376 km saniert. Gleichzeitig
stärken wir die Resilienz der Landwirtschaft durch die Förderung von
Wasserrückhaltebecken und effizienten Bewässerungssystemen. Auch
künftig werden wir konsequent in Klimaschutz, Klimawandelanpassung
und moderne Infrastruktur investieren, um Ernten zu sichern und die
langfristige Versorgung zu gewährleisten. Das sind Investitionen in
unsere Lebensgrundlagen und dafür muss auch das notwendige Budget zur
Verfügung gestellt werden.“

Stephan Pernkopf , niederösterreichischer Landeshauptfrau-
Stellvertreter und Vorsitzender der
Landesklimaschutzreferent:innenkonferenz: „Österreich hat genug
Wasser, auch wenn wir – wie prognostiziert – in Zukunft mehr
verbrauchen werden. Aber nicht in jeder Region und in jeder Gemeinde
bzw. in der entsprechenden Trinkwasserqualität. Deshalb wollen wir es
schützen, nützen und für die beste Zukunft sichern. Wir setzen daher
darauf, Regenwasser möglichst in den Regionen zu halten und unseren
Gewässern wieder mehr Platz zu geben. Das können zum Beispiel
Speicherteiche für die Landwirtschaft sein, regionale Initiativen wie
die ‚Regenwasser-Be-Halteregion Thayaland‘ oder auch die
Wiederanbindung von Donau-Altarmen wie wir das aktuell in Petronell-
Carnuntum planen.“

Zwtl.: Bereits wirksame und neue Maßnahmen

Um Österreichs Grundwasserressourcen zu schützen und die
langfristige Versorgung mit Trinkwasser sicherzustellen, setzt das
Umweltministerium zielgerichtete Maßnahmen. So wird laufend in die
Wasserinfrastruktur investiert: 2025 wurden Projekte im Umfang von
rund 1,15 Milliarden Euro Investitionskosten in den Bereichen
Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, Hochwasserschutz und
Gewässerökologie ausgelöst. Ergänzend dazu schafft der 2023
veröffentlichte Trinkwassersicherungsplan die Grundlage für den
Umgang mit Trinkwasserknappheit und ein konkretes 5-Punkte Programm
zur langfristigen Sicherung der Trinkwasserversorgung.

Ein wichtiger Schritt ist der Aufbau eines österreichweiten
Wasserentnahmeregisters, das bis Ende des Jahres umgesetzt werden
soll und eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen
ermöglicht. Gleichzeitig werden Wasserrückhalt und die Förderung der
Grundwasserneubildung unterstützt, etwa durch Renaturierungsmaßnahmen
von Flüssen und Auen. Auch Projekte wie „LIFE AMooRe“, das mit über
17 Millionen Euro vom Umweltministerium finanziert wird, haben
positive Auswirkungen auf unseren Wasserhaushalt.

Zwtl.: Studie zeigt: Dürre gefährdet Landwirtschaft und verursacht
hohe wirtschaftliche Schäden

Dass Klimawandelanpassung dringend erforderlich ist, zeigt auch
eine Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (
WIFO) in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Agentur für
Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ¹ . Sie verdeutlicht die
volkswirtschaftlichen Risiken zunehmender Dürreperioden für die
Landwirtschaft in Österreich. Die Auswirkungen betreffen auch
Zuliefer- und Verarbeitungsbetriebe: Je nach Szenario könnten
jährlich bis zu 600 Millionen Euro an Wertschöpfung verloren gehen
und bis zu 9.300 Arbeitsplätze gefährdet sein.

Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds Bernd Vogl :
„Grundwasser ist eine zentrale Ressource – nicht nur für die
Trinkwasser-, sondern zunehmend auch für die Energieversorgung.
Sinkende Grundwasserstände und veränderte Abflussverhältnisse
beeinflussen bereits heute die Stromproduktion aus Wasserkraft,
insbesondere in den Sommermonaten. Gleichzeitig gewinnt die Nutzung
von Geothermie und damit verbunden dem Grundwasser zur Gebäudekühlung
in Zeiten zunehmender Hitze an Bedeutung. Um diese Potenziale
langfristig zu sichern, braucht es ein integriertes Management
unserer Wasser- und Energiesysteme sowie gezielte Investitionen in
klimaresiliente Infrastrukturen.“

Herbert Formayer , wissenschaftlicher Leiter des Berichts und
Professor am Institut für Meteorologie und Klimatologie (BOKU): „Die
Entwicklung der Grundwasserstände und der Anpassungsoptionen, auf die
sich der Bericht 2025 konzentriert, zeigt deutlich, dass auch ein
wasserreiches Land wie Österreich vor wachsenden Herausforderungen
steht. Längere Trockenperioden, steigende Temperaturen und veränderte
Niederschlagsmuster wirken sich zunehmend auf die Neubildung und
Qualität unserer Wasserressourcen aus. Gleichzeitig nimmt der
Wasserbedarf weiter zu. Besonders in intensiv genutzten Regionen kann
dies bereits heute zu saisonalen Engpässen führen. Um die
Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten, sind
vorausschauendes Wassermanagement, Klimawandel-Anpassungsmaßnahmen
und konsequenter Klimaschutz dringend erforderlich.“

Zwtl.: Klimastatusbericht 2025: Ergebnisse & Ereignisse im Überblick

Das Jahr 2025 war ein sehr warmes, mit 1.700 Sonnenstunden sehr
sonniges und deutlich zu trockenes Jahr – die durchschnittliche
Niederschlagsmenge lag bei 881 mm. Mit einer Durchschnittstemperatur
von +7,9 °C zählt es zu den achtwärmsten Jahren seit Beginn der
Messungen.

Erhöhte Waldbrandgefahr schon im Winter

Der Februar war durch außergewöhnlich trockene
Witterungsverhältnisse geprägt, regional mit bis zu 80 % weniger
Niederschlag als im langjährigen Mittel. Dies erhöhte insbesondere in
Ostösterreich die Waldbrandgefahr und wirkte sich auf Wasserhaushalt,
Vegetation und Landwirtschaft aus. Im weiteren Verlauf begünstigten
die trockenen Bedingungen im März erste Vegetations- und Waldbrände.
Im März trat zudem ein für die Jahreszeit ungewöhnlich kräftiges
Hagelgewitter mit mehreren zentimetergroßen Hagelkörnern im Bezirk
Krems auf.

Im April führte die anhaltende Trockenheit zu mehreren
Vegetations- und Waldbränden, insbesondere in Kärnten. In der zweiten
Monatshälfte gingen erste kräftigere Gewitter mit Starkregen und
Hagel nieder, die lokal Überflutungen und Schäden verursachten.

Auch das Jahresende brachte – begünstigt durch die trockenen
Bedingungen – erneut eine erhöhte Waldbrandgefahr, diesmal für Tirol.

Frühjahr und Sommer von starken Gewittern und Starkregen geprägt

Von Mai bis Juli herrschte eine gewitterreiche Periode mit
regionalen Hochwassern. Im Mai verursachten Gewitter im Marchfeld
landwirtschaftliche Schäden von rund 500.000 Euro, im Südburgenland
kam es durch Starkregen zu Überflutungen und Vermurungen.

Am 15. Juni kamen in Tirol drei Bergsteiger infolge eines
Blitzschlags ums Leben. Ende Juni bzw. Anfang Juli führten intensive
Niederschläge im Gschnitz- und Stubaital zu schweren Murenabgängen,
bei denen Verkehrswege unterbrochen, Gebäude beschädigt und Personen
evakuiert werden mussten. Der landwirtschaftliche Schaden wurde
österreichweit auf rund 9 Millionen Euro geschätzt.

Juni: Hitzerekord in Kärnten, Waldbrandgefahr hält an

Von 18. Juni bis 6. Juli wurden zudem anhaltend hohe Temperaturen
über 30 °C gemessen; am 26. Juni wurde in Kärnten mit 38,3 °C ein
neuer Bundeslandrekord erreicht. Mitte Juli verursachte ein Tornado
in Oberösterreich schwere Gebäudeschäden.

Der August war von Hitze und Trockenheit geprägt, wodurch die
Waldbrandgefahr in Kärnten sowie im Osten erhöht blieb. Starkregen
führte am 21. und 22. August in Vorarlberg zu Überflutungen,
Erdrutschen und abschnittsweise erhöhtem Hochwasser.

Zwtl.: Zum Klimastatusbericht Österreich

Der jährlich erscheinende Klimastatusbericht Österreich wird im
Auftrag des Klima- und Energiefonds sowie aller neun Bundesländer
durch das Climate Change Centre Austria (CCCA) in Zusammenarbeit mit
der Universität für Bodenkultur (BOKU) und GeoSphere Austria –
Bundesanstalt für Geologie, Geophysik, Klimatologie und Meteorologie
erstellt. Er zeigt, welche Anpassungsmöglichkeiten und
Handlungsoptionen zur Verfügung stehen, um negative Folgen in den am
stärksten betroffenen Bereichen zu verhindern oder abzumildern.

Der gesamte Bericht steht hier zum Download zur Verfügung:

www.klimafonds.gv.at/publikation/klimastatusbericht-2025/

https://ccca.ac.at/wissenstransfer/klimastatusbericht-2025

Alle bisherigen Berichte sind unter
https://ccca.ac.at/wissenstransfer/klimastatusbericht abrufbar.

Weitere Informationen:
Österreichischer Staatspreis für Klimawandelanpassung

Orte von morgen

¹ Sinabell F. et. al. (2021): Volkswirtschaftliche Aspekte der
Klimaanpassung in der Landwirtschaft. Eine konzeptionelle Fallstudie
zur Bewässerung in Österreich. Wien