Gewerkschaften vor Tag der Pflege: „Die Ideen liegen am Tisch“

Wien (OTS) – 7. Mai 2026 – Im Vorfeld des Internationalen Tags der
Pflege am 12.
Mai präsentierten die GÖD-Gesundheitsgewerkschaft und younion _ Die
Daseinsgewerkschaft – Hauptgruppe 2 gemeinsame Forderungen zur
Absicherung der Gesundheitsversorgung. Im Mittelpunkt stehen Anreize
für Vollzeitarbeit, die Existenzsicherung für Auszubildende und die
Umsetzung sowie Ausweitung der Schwerarbeitsregelung.

Dazu sagt Edgar Martin, Vorsitzender von younion _ Die
Daseinsgewerkschaft – Hauptgruppe 2: „Wer die Versorgung absichern
will, muss dafür sorgen, dass Menschen gerne in diesen Berufen
arbeiten, länger gesund bleiben und für ihre Leistung die angemessene
Anerkennung bekommen. Das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit.
Jede Investition in das ‚Team Gesundheit‘ ist eine Investition in ein
stabiles Gesundheitssystem.“

Doppelbudget: Vollzeit-Anreize und leistbare Ausbildung

Die Berücksichtigung der Pflege im Doppelbudget der
Bundesregierung begrüßen die Gewerkschaften als wichtiges Signal.
Entscheidend sei jedoch, wie die Mittel eingesetzt werden und ob sie
bei den Beschäftigten tatsächlich ankommen. Die Gewerkschaft schlägt
dazu zwei Maßnahmen vor: steuerliche Anreize ab der 32. Stunde, sowie
eine existenzsichernde Anstellung aller Auszubildenden im
Gesundheitsbereich.

Mehrere Studien bestätigen: Viele Beschäftigte im
Gesundheitswesen wären bereit, ihre Arbeitszeit zu erhöhen, wenn sich
das im Netto besser auswirken würde. Steuerliche Entlastung könnte
daher kurzfristig die Personalsituation verbessern. Langfristig
bleibt die Übernahme aller Auszubildenden in ein Dienstverhältnis
schon während der Ausbildung entscheidend, um mehr Menschen für den
Beruf zu gewinnen.

Abbruchgründe: Studie der Bundesregierung steht aus

Reinhard Waldhör, Vorsitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft,
betont außerdem: „Im Regierungsprogramm wurde eine Studie zu den
Gründen für Abbrüche der Pflegeausbildung und Berufsausstiege
versprochen. Die steht immer noch aus. Es ist aber dringend
notwendig, genau zu erfassen, aus welchen Gründen die Beschäftigten
das Gesundheitswesen verlassen. Nur so können wir alle richtigen
Schritte setzen, um diese dringend notwendige Verstärkung zu halten.“
Priorität haben dabei jedenfalls weiterhin verlässlichere
Dienstpläne, so die Gewerkschaften.

Die im Regierungsprogramm enthaltenen (nicht näher ausgeführten)
Kompetenzverschiebungen dürfen jedoch nicht zum „Downgrading als
Sparprogramm“ zwischen einzelnen Berufsgruppen führen. Änderungen von
Kompetenzen sollen dort erfolgen, wo sie machbar und sinnvoll sind
und zur Verbesserung von Qualität und Sicherheit für Patientinnen und
Patienten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beitragen. Diese
Maßnahmen müssen zwingend mit entsprechender Ausbildung verbunden
sein – und klar ist auch: Mehr Arbeit und mehr Verantwortung bedeutet
auch mehr Gehalt!

Schwerarbeit: Fairness für alle Berufsgruppen

Die Schwerarbeitsregelung für Pflegekräfte begrüßten sie als
wichtigen Schritt. Kritisch halten die Gewerkschaften fest, dass die
angekündigten Arbeitsgruppen zu Ausbau und Weiterentwicklung dieser
Reform noch nicht stattgefunden haben. Langfristig soll die Regelung
auf weitere Berufsgruppen ausgeweitet werden.

„Es kann nicht sein, dass drei Berufsgruppen von der neuen
Regelung mehr profitieren als der Rest. Diese neu geschaffene
Ungerechtigkeit muss abgeschafft werden. Deshalb fordern wir, dass
zwölf Arbeitstage im Schichtdienst für die Schwerarbeitsanerkennung
reichen – egal für welche Berufsgruppe“, so Waldhör.

Gewerkschaften: „Wir stehen für Gespräche bereit“

Die beiden Vorsitzenden betonten auch, dass der Pflegebonus über
2028 hinaus durch den Bund abgesichert werden müsse. Nur so könne man
eine Situation wie letztes Jahr verhindern, als die Salzburger
Landesregierung die Streichung dieser Zulage angekündigt hatte, nach
einer Welle an Protesten und gewerkschaftlichen Demonstrationen von
dieser Maßnahme aber wieder absah.

„Die vergangenen Monate in Salzburg haben gezeigt, wie schnell
Vertrauen verloren geht, wenn Beschäftigten einerseits Wertschätzung
zugesagt wird, andererseits dann über Kürzungen und Unsicherheiten
diskutiert wird. Da verliert ‚Wertschätzung‘ ihren Wert“, so Martin.

Abschließend betonten die Gewerkschafter: „Jeder Mensch braucht
eine sichere Pflege. Die Ideen dafür liegen am Tisch. Der Tag der
Pflege darf nicht nur Anlass für Dankesworte sein, es braucht echte
Verbesserungen. Wir haben Vorschläge präsentiert und stehen für
Gespräche bereit.“