Wien (OTS) – „Kinderarbeit ist ein weltweites Problem. Während Kinder
im Globalen
Süden schuften müssen, profitieren wir in Österreich von ihrer
Ausbeutung durch den Kauf billiger Produkte. Denn Kinderarbeit findet
vor allem dort statt, wo viele unserer alltäglichen Produkte ihren
Ursprung haben. Also wo Rohstoffe abgebaut oder weiterverarbeitet
werden“ , betont Reinhard Heiserer, Geschäftsführer der
österreichischen Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt ,
anlässlich des „Internationalen Tag gegen Kinderarbeit“ am 12. Juni.
Als Bündnispartner der Initiative „Kinderarbeit stoppen“ appelliert
Jugend Eine Welt daher: Helfen Sie mit, Kinderarbeit zu stoppen und
ermöglichen Sie den Kindern eine Zukunft!
In der Armutsspirale gefangen
„Ich habe Buben und Mädchen gesehen, die stundenlang Steine
zerschlagen, Staub einatmen und ihre Kräfte verlieren. Oder Kinder,
die kilometerlange Märsche zurücklegen müssen, um Wasser zu holen“ ,
gibt Jugend Eine Welt-Geschäftsführer Heiserer Einblicke in seine
letzten Projektreisen nach Sierra Leone und Äthiopien. „Fast alle
haben denselben Traum: In die Schule gehen zu können und zu lernen,
damit sie der Armutsspirale, in der sie gefangen sind, entkommen
können. Genau dafür setzen wir uns bei Jugend Eine Welt ein.
Gemeinsam mit unseren Projektpartnern vor Ort holen wir Kinder aus
gefährlicher Arbeit, geben ihnen Schutz und unterstützen sie auf
ihrem Bildungsweg. Etwa durch die Finanzierung von Schul- und
Berufsausbildungsprojekten.“
138 Mio. Kinder von Kinderarbeit betroffen
Rund 138 Millionen Mädchen und Buben im Alter zwischen 5 und 17
Jahren sind laut Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation
ILO von Kinderarbeit betroffen. Davon arbeiten an die 54 Millionen in
besonders gefährlichen Bereichen. 57 Prozent der betroffenen Kinder
sind unter 12 Jahre alt. „Kinderarbeit ist Symptom und zugleich
Ursache eines Teufelskreises: Viele Kinder, die in Armut leben,
müssen arbeiten und können daher nicht in die Schule gehen bzw.
brechen sie frühzeitig ab. Andere schaffen nur einen
Grundschulabschluss. Eine gute und zukunftsträchtige Berufsausbildung
bleibt für sie meist nur ein verträumtes Gedankenspiel“ , erzählt
Heiserer. Entsprechend schlecht sind die Chancen von
Kinderarbeiterinnen und Kinderarbeitern auf eine existenzsichernde
Beschäftigung, wenn sie einmal erwachsen sind. „Um ihre Familie
ernähren zu können, sind sie später oftmals selbst auf die Mitarbeit
der eigenen Kinder angewiesen – so schließt sich der Teufelskreis“ ,
so der Jugend Eine Welt-Geschäftsführer.
Kinderarbeit auch in Österreich präsent
Die Arten der Kinderarbeit weltweit sind vielfältig. Vor allem Buben
schuften in Minen, Steinbrüchen oder Fabriken. Meist geht es um
Produkte, die rund um den Globus gehandelt werden, etwa um Kakao,
Kaffee, Baumwolle, Naturstein, Gold, Zuckerrohr, Textilien und viele
mehr. Mädchen werden hingegen meist versteckt und rund um die Uhr als
schlecht bezahlte Hilfen im Haushalt ausgebeutet. Darüber hinaus
haben sie keinen Schutz vor tätlichen Übergriffen.
Alle vier Jahre veröffentlicht „The Bureau of International Labor
Affairs (ILAB)“ eine Liste mit Produkten, bei denen die Annahme
besteht, dass sie auch mit Kinderhänden hergestellt werden. Zuletzt
beinhaltete die „List of goods“ 204 verdächtige Produkte aus 82
Ländern, wie zum Beispiel Schokolade, Gold, Kaffee, Zucker, Tee,
Baumwolle, Tabak, aber auch Kleidung sowie elektronische Teile und
Materialien, die in Smartphones eingebaut sind. „Länder wie Nigeria,
Elfenbeinküste, Indien, Pakistan, Venezuela oder Ecuador sind für uns
in Österreich so weit weg und nicht greifbar. Dennoch sind die dort
arbeitenden Kinder uns näher als wir denken. Und fast sicher haben
viele Österreicherinnen und Österreicher unbewusst schon Produkte in
den heimischen Regalen gekauft, bei denen Kinderarbeit im Spiel war.“
Unser Wohlstand darf nicht auf der Ausbeutung von Kindern beruhen
Aus diesem Grund appelliert Heiserer erneut, beim Kauf auf
etablierte, unabhängige Labels wie das Fairtrade-Siegel zu achten.
„Unser Wohlstand in Österreich darf nicht auf der Ausbeutung von
Kindern im Globalen Süden beruhen. Aktionstage wie der
‚Internationale Tag gegen Kinderarbeit‘ sollen darauf hinweisen, dass
Kinderarbeit – wie sie Anfang des 20. Jahrhundert auch in Österreich
in Form der Schwabenkinder stattgefunden hat – in armen Ländern noch
heute präsent ist. Daher bin ich auch der Überzeugung, dass
Entwicklungszusammenarbeit bei uns in Österreich beginnt. Wir müssen
unser Verhalten ändern: weniger ausbeuten, weniger zerstören, weniger
wegnehmen. Der Soziologe Jean Ziegler sagte einmal: Wir müssen den
Menschen in Afrika nicht mehr spenden, es reicht, wenn wir ihnen
weniger stehlen. Ich denke, diese Aussage fasst das Thema sehr gut
zusammen“ , so Heiserer. „Unser Ziel muss das ‚gute Leben für alle‘
sein. Nicht ein auf reinster Ausbeutung basierendes Leben für wenige
und dafür im Überfluss.“
Über die Initiative „Kinderarbeit stoppen“
Gemeinsam mit Partnerorganisationen im Globalen Süden setzt sich die
österreichische Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt seit Jahren
– als Mitglied der Initiative „Kinderarbeit stoppen“, der auch die
Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, FAIRTRADE Österreich,
solidar Austria und Kindernothilfe Österreich angehören – dafür ein,
Kinder aus ausbeuterischer Arbeit zu befreien, den Schulbesuch zu
ermöglichen und die Rechte von Kindern zu stärken. Weiterführende
Informationen zur Kampagne „Kinderarbeit stoppen“ finden Sie unter
www.kinderarbeitstoppen.at .
Detaillierte Informationen zum Thema Kinderarbeit sowie die
aktuelle „List of goods“ finden Sie unter
www.jugendeinewelt.at/kinderarbeit .
Jugend Eine Welt-Spendenkonto: AT66 3600 0000 0002 4000 |
Onlinespenden unter www.jugendeinewelt.at/spenden | Spenden sind
steuerlich absetzbar!
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