3100 St. Pölten (OTS) – Die geopolitischen Rahmenbedingungen, wie die
Zollpolitik der USA,
und die wirtschaftliche Schwäche des wichtigsten Handelspartners
Deutschland schlugen auf die Exportstatistik direkt durch. Gegenüber
der Vorjahresperiode ging Niederösterreichs Exportvolumen um 3,2
Prozent zurück.
Die Exportbetriebe in Oberösterreich, Wien, Tirol und dem
Burgenland mussten allerdings teilweise deutlich höhere Verluste
hinnehmen. Niederösterreich konnte seine Stellung als drittstärkstes
Exportbundesland Österreichs trotz herausfordernder Rahmenbedingungen
behaupten.
„Trotz eines anhaltend herausfordernden internationalen Umfelds
haben Niederösterreichs Unternehmen im ersten Halbjahr 2025 erneut
ihre hohe Leistungsfähigkeit und Exportstärke unter Beweis gestellt.
Sinkende Exporte sind ein massives Warnsignal für den
Wirtschaftsstandort. Die Republik Österreich braucht jetzt
wettbewerbsfähige Standortbedingungen, weniger Bürokratie und eine
aktive (europäische) Handelspolitik, damit Produktion, Wertschöpfung
und Arbeitsplätze gesichert bleiben“, betonen Landeshauptfrau Johanna
Mikl-Leitner, WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker und IV-NÖ-Präsident Kari
Ochsner unisono.
Entwicklung der wichtigsten Exportmärkte
Von den zehn wichtigsten Exportmärkten Niederösterreichs
entwickelten sich die Exporte nach Rumänien (+17,3 Prozent), in die
Schweiz (+9,8 Prozent), nach Polen (+3,2 Prozent) sowie in die
Slowakei (+0,5 Prozent) positiv. In sechs der Top-Exportmärkte
mussten Rückgänge verzeichnet werden. Besonders deutlich fiel das
Minus bei den Exporten in die USA aus. Im ersten Halbjahr 2025 sanken
die niederösterreichischen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten
wertmäßig um 8,2 Prozent. Dieser Rückgang ist vor allem auf die
anhaltende Verunsicherung durch die aggressive und schwer
kalkulierbare US-Zollpolitik gegenüber Europa zurückzuführen, die
Investitions- und Handelsentscheidungen erheblich beeinträchtigt.
LH Mikl-Leitner: „Österreich muss mehr deregulieren, um Wohlstand
zu erhalten“
„In Anbetracht der wirtschaftlichen Schwäche unseres wichtigsten
Handelspartners und des generell herausfordernden Umfelds für
Betriebe in Europa, haben unsere Exportbetriebe das Beste aus der
schwierigen Situation gemacht. Diese Exportbilanz ist aber auch ein
Auftrag: Handelshemmnisse und überbordende Regularien müssen abgebaut
werden. Österreich muss mehr deregulieren, Verfahren beschleunigen
und die Energiekosten senken – während andere zur Kettensäge greifen,
hantiert der Bund mit dem Nagelzwicker. Nur wenn wir unsere
Wettbewerbsfähigkeit steigern, können wir unseren Wohlstand
erhalten“, betont Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.
Niederösterreich werde weiter aktiv neue Märkte erschließen, sie
nennt dabei exemplarisch Usbekistan, und bestehende Partnerschaften
stärken. „Mit der Wirtschaftsdelegation nach Japan und der Teilnahme
an der EXPO 2025 in Osaka haben wir niederösterreichische
Unternehmen, Innovationen und Technologien international sichtbar
gemacht und neue Netzwerke geknüpft.“
Export-Warengruppen
Bei den fünf bedeutendsten Warengruppen zeigte sich im ersten
Halbjahr ein differenziertes Bild. Rückgänge gab es bei Kesseln,
Maschinen und mechanischen Geräten (–12 Prozent), bei mineralischen
Brennstoffen und Mineralölen (–9,4 Prozent) sowie bei Zugmaschinen
und Fahrzeugen (–14,2 Prozent). Positiv entwickelten sich hingegen
die Exporte von elektrischen Maschinen und elektrotechnischen Waren (
+8,1 Prozent) sowie von Waren aus Eisen und Stahl (+6 Prozent). Das
stärkste Minus verzeichneten die pharmazeutischen Erzeugnisse (–29,1
Prozent), was vor allem auf turbulente und verschärfte
Einfuhrbestimmungen in den USA zurückzuführen ist.
WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker: „Wir unterstützen mit mehr als 100
Stützpunkten weltweit“
„Der anhaltende Exportrückgang ist ein ernstzunehmendes Risiko
für den Produktionsstandort Niederösterreich“, warnt WKNÖ-Präsident
Wolfgang Ecker. „Industrie und Gewerbe sind das Rückgrat unserer
Wirtschaft. Sie brauchen wettbewerbsfähige Energie- und
Arbeitskosten, weniger bürokratische Hürden und verlässliche
Rahmenbedingungen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu
können.“
Die Wirtschaftskammer unterstützt die Betriebe dabei umfassend:
„Mit unserer Außenwirtschaftsorganisation in Niederösterreich und mit
über 100 Stützpunkten weltweit bieten wir ein dichtes Service- und
Beratungsnetz. Doch ohne klare Verbesserungen bei den
Standortfaktoren wird es schwierig, wieder auf einen nachhaltigen
Wachstumspfad zurückzukehren.“
IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner: Österreich darf in der
Handelspolitik nicht abseitsstehen
Auch IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner sieht dringenden Handlungsbedarf:
„Der Exportrückgang zeigt unmissverständlich, wie ernst die Lage ist.
Österreich muss sich in der europäischen Handelspolitik aktiv
einbringen, damit neue Märkte erschlossen und strategische
Partnerschaften ausgebaut werden. Das ist nötig, um Abhängigkeiten
von einzelnen Volkswirtschaften zu verringern. Gleichzeitig braucht
es in unserem Land endlich strukturelle Reformen und
Investitionsanreize. Der Staat muss die Rahmenbedingungen so
gestalten, dass Unternehmen wieder investieren. Denn selbst die beste
Handelspolitik auf europäischer Ebene verpufft, wenn in Österreich
die notwendigen Veränderungen ausbleiben und der Standort im
Stillstand verharrt.“
Die wichtigsten NÖ Exportmärkte
Deutschland ist und bleibt der wichtigste Handelspartner für
Niederösterreich, gefolgt von Ungarn, Italien, Tschechien und den
Vereinigten Staaten. Nach Deutschland gingen die Ausfuhren von 4,01
auf 3,76 Milliarden Euro zurück, was einem Minus von 6,3 Prozent
entspricht.
Das Schwächeln des wichtigsten Handelspartners ist damit ein
zentraler Grund für die insgesamt rückläufige Exportentwicklung.
Zusätzlich wirken sich auch hier die geopolitischen Verwerfungen und
internationalen Handelskonflikte aus, da viele niederösterreichische
Unternehmen als Zulieferer für deutsche Exportbetriebe tätig sind –
insbesondere in der Automobilindustrie und im Maschinenbau.
Auch nach Ungarn sanken die Exporte von 1,00 auf 0,95 Milliarden
Euro (–5,2 Prozent). Nach Italien und Tschechien wurden die
Warenexporte nur leicht reduziert – Italien von 0,90 auf 0,89
Milliarden Euro (–1,7 Prozent), Tschechien von 0,81 auf 0,80
Milliarden Euro (–1,2 Prozent).
Besonders stark betroffen waren die Vereinigten Staaten, wo die
Exporte von 0,79 auf 0,73 Milliarden Euro zurückgingen, ein Minus von
8,2 Prozent.


